Materialkosten

11.03.2025
Aktualisiert: 11.03.2025
6 min Lesezeit

Materialkosten umfassen sämtliche Ausgaben, die einem Unternehmen bei der Herstellung eines Produkts entstehen. Sie setzen sich hauptsächlich aus den Aufwendungen für Rohstoffe, Hilfsstoffe und Betriebsstoffe zusammen. Für produzierende Unternehmen sind Materialkosten entscheidend, da sie häufig den größten Kostenanteil innerhalb des Herstellprozess ausmachen und somit die Rentabilität stark beeinflussen.

Die Erfassung und Kontrolle der Materialkosten bildet die Basis für eine effiziente Kostenstruktur, ermöglicht effektive Preisgestaltung und sorgt für Wettbewerbsfähigkeit. Um Materialkosten präzise zu beurteilen, müssen diese transparent und eindeutig erfasst sowie sinnvoll kategorisiert werden. Eine optimale Verwaltung der Materialkosten schafft zudem Spielräume für Kostensenkungen und Gewinnsteigerungen.

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Kostenartenrechnung: Materialkosten erkennen und zuordnen

Innerhalb der Kostenartenrechnung werden Materialkosten systematisch und übersichtlich erfasst. Diese Rechnung dient dazu, entstandene Kosten betriebsintern eindeutig zu identifizieren und zu kategorisieren, sodass nachfolgende Analysen sowie Kostenkontrollen aussagekräftig vorgenommen werden können. Besonderes Augenmerk liegt darauf, alle relevanten Kostenbestandteile korrekt aufzunehmen und untereinander sinnvoll zu unterteilen.

Die Materialkosten gliedern sich dabei in verschiedene Arten: Rohstoffkosten, Hilfsstoffkosten und Betriebsstoffkosten. Rohstoffkosten entstehen durch wesentliche Bestandteile des Produkts (z.B. Holz bei Möbelherstellung), während Hilfsstoffkosten für Nebenelemente anfallen, die integraler Teil des Produkts sind, jedoch mengenmäßig weniger ins Gewicht fallen (z.B. Schrauben beim Möbelbau). Betriebsstoffkosten hingegen umfassen Produkte, die zwar für die Herstellung erforderlich sind, aber nicht direkt ins Endprodukt einfließen (z.B. Schmierstoffe und Kühlmittel für Maschinen).

Neben diesen klassischen Kategorien zählen auch die Kosten für Fremdleistungen, Verschleißprodukte und Werkzeuge zu den Materialkosten. Dazu gehören beispielsweise Zulieferteile von externen Herstellern, Kosten für Verpackungsmaterialien oder unterstützende Prozesse wie externe Fertigungsschritte.

MaterialkostenartBeispiele
RohstoffkostenMetall bei Fahrradfertigung, Mehl in Bäckerei
HilfsstoffkostenFarben, Klebstoffe, Schrauben
BetriebsstoffkostenMaschinenöl, Kühlmittel, Reinigungsmittel
FremdleistungenOberflächenbeschichtung, Verpackungsservice
VerschleißprodukteSchleifscheiben, Werkzeuge

Materialeinzelkosten (MEK) und Materialgemeinkosten (MGK) unterscheiden

Materialkosten teilen sich in zwei wesentliche Kategorien auf: Materialeinzelkosten (MEK) und Materialgemeinkosten (MGK). Materialeinzelkosten lassen sich eindeutig einem einzelnen Produkt oder Auftrag zuordnen, während Materialgemeinkosten indirekt entstehen und keinem einzelnen Kostenträger zugeordnet werden können.

Ein typisches Beispiel für Materialeinzelkosten ist hochwertiges Leder bei der Herstellung von Schuhen, da dieses Material klar und direkt dem fertigen Schuhpaar zugeordnet werden kann. Materialgemeinkosten dagegen entstehen indirekt, beispielsweise durch Lagerkosten, Abschreibungen auf Lager- und Transportmittel oder Personalkosten im Einkauf. Solche Gemeinkosten betreffen den Betrieb insgesamt und werden mit spezifischen Verteilerschlüsseln auf alle Produkte verteilt.

MGK werden mithilfe von Gemeinkostenzuschlagssätzen berechnet und über Schlüsselgrößen wie Materialverbrauchswert, Produktionsstunden oder Personalstunden den einzelnen Produkten zugerechnet. Die Verwendung von MGK-Verteilungsschlüsseln ermöglicht eine faire und realitätsnahe Kostenzuordnung auf Kostenträgerebene.

Methoden zur Feststellung des Materialverbrauchs: Vor- und Nachteile im Überblick

Die genaue Ermittlung des Materialverbrauchs stellt die Voraussetzung dar, um exakte Materialkosten zu bestimmen. Dabei gibt es vier wesentliche Methoden, die jeweils Vor- und Nachteile aufweisen:

  • Inventurmethode: Ermittlung erfolgt durch Bestandsaufnahme zu Beginn und Ende einer Abrechnungsperiode. Vorteil ist die Genauigkeit bei wenig Materialbewegungen. Der Nachteil ergibt sich durch hohen Aufwand und mangelnde laufende Kontrolle während der Periode.
  • Fortschreibungsmethode (Skontrationsmethode): Laufende Erfassung aller Ein- und Ausgänge. Vorteil: hohe Transparenz, genaue Tagesbestände, sofortiges Erkennen eventueller Schwankungen oder Probleme. Nachteilig ist jedoch erhöhter Verwaltungsaufwand.
  • Rückrechnungsmethode (retrograde Methode): Ermittlung über Sollverbrauch des hergestellten Produkts. Vorteile sind Schnelligkeit sowie geringer Aufwand bei standardisierten Produkten. Der Nachteil liegt im Fehlerpotential aufgrund schwankender Verbräuche oder Produktionsfehler.
  • Zugangsmethode: Berechnung erfolgt ausschließlich über Zugänge der Periode ohne Berücksichtigung von Lagerbewegungen. Vorteile: geringer Aufwand, einfache Buchhaltung. Nachteil: ungenau bei größeren Lagerveränderungen.

Die Fortschreibungsmethode wird von produzierenden Unternehmen häufig bevorzugt, da sie Transparenz gewährleistet, Bestände ständig aktualisiert und präzise, zeitnahe Kostendaten liefert.

Arten von Materialkosten: Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe

Bevor Sie Materialkosten berechnen können, müssen Sie wissen, was genau darunter fällt. Materialkosten gliedern sich in drei Kategorien: Rohstoffe, Hilfsstoffe und Betriebsstoffe.

Rohstoffe sind Hauptbestandteile von Produkten, beispielsweise Holz für Möbel oder Stahl für Maschinenbauteile. Sie bilden die Grundlage des herzustellenden Produktes und können direkt zugeordnet und mengenmäßig zugeordnet werden.

Hilfsstoffe gehen ebenfalls in das fertige Produkt mit ein, spielen dabei aber nur eine unterstützende Rolle. Dazu gehören Schrauben, Leim oder Lacke, die nicht Hauptbestandteil sind, aber für die Fertigstellung zwingend erforderlich sind.

Betriebsstoffe hingegen fließen nicht in das Produkt selbst, sind aber notwendig für die Produktion. Dazu zählen Schmiermittel, Reinigungsmittel oder Kühlwasser. Betriebsstoffe sind indirekte Kosten, die nicht produktspezifisch zuweisbar sind.

Die klare Kategorisierung hilft Ihnen, unterschiedliche Kostenarten effektiv aufzuschlüsseln sowie Ihre Kostenstruktur zu optimieren.

Berechnung der Materialkosten – Praxisbeispiel

Nachfolgendes Beispiel zeigt die Berechnung der Materialkosten bei der Produktion eines Holzregals:

  • Materialeinzelkosten (MEK):
    • Holzplatten: 40 Euro
    • Schrauben: 5 Euro
    • Lack: 7 Euro
    • Summe MEK: 52 Euro
  • Materialgemeinkosten (MGK):
    • Ermittlung erfolgt durch Zuschlagssatz (z.B. MGK-Satz: 10 % der MEK)
    • MGK-Betrag: 52 Euro x 0,1 = 5,20 Euro
  • Gesamtmaterialkosten:
    • MEK (52 Euro) + MGK (5,20 Euro) = 57,20 Euro

Gemeinkostenzuschläge sind dabei von großer Bedeutung, um indirekte Materialaufwendungen auf das Produkt fair umzulegen. Der Zuschlagssatz errechnet sich aus Gesamtgemeinkosten geteilt durch die Gesamtmaterialeinzelkosten einer Abrechnungsperiode multipliziert mit 100.

Praxistipps – Materialkosten effizient verwalten

Um Materialkosten nachhaltig zu senken und effizient zu verwalten, sollten Unternehmen folgende Aspekte beachten:

  • Optimierung der Lagerhaltung: weniger Kapitalbindung durch Just-in-time-Anlieferung und effiziente Bestellmengen.
  • Preisverhandlungen mit Lieferanten regelmäßig durchführen, attraktive Konditionen ausnutzen.
  • Qualitätssicherung verbessern, Ausschuss reduzieren und Produktivität erhöhen.
  • Materialverbrauch regelmäßig kontrollieren, um Schwachstellen schnell zu identifizieren.
  • IT-Systeme zu Materialverwaltung einsetzen, um Datentransparenz und Genauigkeit deutlich zu steigern.

Eine exakte Erfassung der Materialkosten ermöglicht realistische Preisgestaltung, verbessert die Deckungsbeitragsrechnung und beeinflusst positiv den Gewinn.

Fazit – Materialkosten präzise ermitteln bringt Wettbewerbsvorteile

Materialkosten bilden oft die Basis der Gesamtkostenstruktur. Unternehmen, die Materialkosten genau erfassen, regelmäßig überprüfen und sinnvoll optimieren, erzielen strategische Wettbewerbsvorteile. Eine transparente Kostenübersicht erleichtert Entscheidungen zu Preisgestaltung, Einkauf und Fertigung und sorgt indirekt für höhere Rentabilität.

Welche Kosten zählen zu den Materialkosten?
Rohstoffkosten, Hilfsstoffkosten, Betriebsstoffkosten, Fremdleistungen, Kosten für Verschleißprodukte und Werkzeuge.
Wie berechnet man Materialkosten?
Was ist der Unterschied zwischen Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten?
Sind Materialkosten fixe oder variable Kosten?